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November 2001 - Präsident der Alpen-Initiative fordert Alpentransitbörse

  • 30.11.2001

Situation am Gotthard - und was nach der Katastrophe?
Darlegung von Nationalrat Fabio Pedrina, Präsident der Alpen-Initiative

Die Hauptursachen der Katastrophe am Gotthard
Auslöser der Gotthardkatastrophe waren ein ausgebeuteter Chauffeur sowie ein untaugliches Fahrzeug, also die idealen Voraussetzungen für einen Billigtransport.

Schwerverkehr: zu viel, zu gefährlich, weil zu billig
zu viel: der Anteil Schwerverkehr am Gotthard beträgt über 20% des Verkehrsvolumens
zu gefährlich: es sind viel mehr potentielle Gefahrgüter unterwegs, als dies die internationalen Regelungen vorschreiben (am Mont Blanc waren es Margarine und Mehl, am Gotthard Autoreifen)
zu billig: weil zu viele Kosten von Anderen getragen (externalisiert) werden, also von:

  • den Lkw-Fahrern (Hungerlöhne und überrissene Arbeitszeiten)
  • den Automobilisten (ständig bedrängt, verunsichert und gefährdet)
  • der Bevölkerung entlang der Transitachsen, deren Gesundheit durch Lärm und verschmutzende Immissionen beeinträchtigt wird
  • der Natur (Langzeiteinwirkungen für Klima, Wälder und Landschaft)
  • der öffentlichen Hand, also nochmals von den Bürgern, welche alle Kosten zu tragen haben, die die Haftpflichtversicherung der Transporteure nicht decken wird (Hunderte Millionen von Euro).
     

Erkenntnisse
Diese Tatsachen bestätigen, was die Alpen-Initiative seit Jahren sagt:

  • Alpentunnel sind untauglich für so viel Schwerverkehr
  • es besteht die Gefahr des physischen Kollapses der alpinen Strassenübergänge (sobald der Schnee oder der nächste Grossunfall eintrifft); dies kann nicht im Interesse der EU sein
  • die Gesundheit der Bevölkerung entlang der Transitachsen ist gefährdet
  • der Lkw-Verkehr verursacht zu viele Opfer auf der Strasse.

Die Chancen aus den Katastrophen
Das Sicherheitsargument und die offenbarte unsinnige Entwicklung des Güterverkehrs müssen endlich einen Impuls für die Konkretisierung einer menschen- und umweltverträglichen Verkehrspolitik in ganz Europa geben: d.h. endlich von den Weissen Büchern zu griffigen Taten!

Grenzen der Belastbarkeit des Alpenraumes anerkennen heisst, den Lkw-Verkehr mengenmässig zu beschränken
Damit die Alpenübergängen nicht kollabieren, ist eine Dosierung der Lkw-Transitfahrten primär nach Sicherheits- und Gesundheitsfaktoren alpenübergangsspezifisch festzulegen. Die Alpen-Initiative schlägt eine sofortige Halbierung der Transitfahrten auf allen Achsen als Richtgrösse vor (von ca. 6,5 Mio. Transitfahrten pro Jahr auf ca. 3,5 Mio., d.h. im Tagesdurchschnitt von rund 25’000 auf 13’000 Transitfahrten alpenweit). Die grossen brachliegenden Bahnkapazitäten im Alpenraum sollen endlich mobilisiert werden, nicht primär, um Lkw’s, sondern um Güter von der Strasse auf die Schiene zu verlagern (unbegleiteter Verkehr).
Der so festgelegte Plafond soll je nach Besonderheit und Sicherheitsstandard der jeweiligen Strassenachse verteilt werden. Damit die Diskriminierungsfreiheit nicht tangiert wird, schlagen wir vor, dass die so eingeschränkten Transitfahrten (Slots) über eine Alpentransitbörse versteigert werden. Somit wird der marktwirtschaftliche Gedanke des Landesverkehrsabkommens respektiert, aber mit den wesentlichen Inhalten aufgefüllt, welche bis heute zu kurz kamen: Sicherheit, Verlässlichkeit und Gesundheit.
Mindestens das schulden die Politiker allen Todesopfern von Mont Blanc, Tauern und Gotthard.

Eine Umorientierung der EU-Verkehrspolitik dank den Hauptinstrumenten LSVA und Bahnförderungsmassnahmen kommt nicht nur dem Alpenraum zugute, sondern ALLEN!
Alpen- und Stadtbewohner haben einen gemeinsamen Kampf um ihre Lebensqualität zu führen: die Alpen sind Lebensraum, wie auch Erholungsraum und Wasserreservoir für ALLE.

Alpentransitbörse
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CH-6460 Altdorf

Tel +41 (0)41 870 97 81
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